Im letzten Artikel habe ich erwähnt, dass es einen Trick gibt die 30% weniger Energie des Ethanols im Vergleich zu Benzin wieder auszugleichen. Das ist nicht nur notwenig um die gleiche Leistung wie mit Benzin zu erhalten sondern auch um einen längerfristigen Betrieb mit Ethanol überhaupt möglich zu machen.
Der Ausgleich funktioniert in der Theorie ganz einfach. Wenn Ethanol eine geringere Energiedichte hat muss einfach mehr davon in den Motor rein um die gleiche Energie in Bewegung umzuwandeln. Das ist die Lösung. Problematisch ist nur die Praxis-Umsetzung. Aber dazu später mehr. Jetzt erst mal die Frage wieviel mehr muss den rein in den Motor? Bei der Frage hilft uns die Mathematik!

Aber keine Angst. So schwer ist das gar nicht. Einfache Prozentrechnung und Dreisatz reichen aus. Überschlagsweise kann man die Menge, die mehr in den Motor muss (man spricht hier von Einspritzung) so berechnen:
Wir wissen, dass Ethanol eine 30% geringere Energiedichte hat als Benzin. Viele behaupten, dass deswegen auch 30% mehr Ethanol eingspritzt werden muss. Das ist aber falsch! Setzen, 6! Prozentrechnung funktioniet anders.
Ein kleines Beispiel: Wir haben einen Eimer, in den genau 1l Flüssigkeit hinein passen. Diesen Eimer füllen wir nun mit einem Liter Wasser. Er ist nun zu 100% voll. Schön!
Jetzt ziehen wir 30% des Inhalts ab. Bei einem Liter sind das:
1 Liter * 0,7 = 0,7 Liter oder
1 Liter - (1 Liter * 0,3) = 0,7 Liter
Der Eimer ist jetzt nur noch zu 70% gefüllt (0,7 Liter Inhalt). Jetzt wollen wir den Eimer wieder komplett voll machen, also 100% erreichen. Wie geht das? Versuchen wir doch mal die 30% wieder drauf zu rechnen:
0,7 Liter * 1,3 = 0,91 Liter oder
0,7 Liter + (0,7 Liter * 0,3) = 0,91 Liter
Ups… fehlt ja noch was. Das ist genau das was ich weiter oben meinte. Prozentrechnung geht anders.
Dadurch, dass wir jetzt nur noch 0,7 Liter Wasser im Eimer haben, hat die Rechnung einen neuen Grundwert. Vorhar war der Grundwert 1 Liter, jetzt sind es 0,7 Liter. Rechnen wir doch mal richitg. Die Differenz zwischen dem 70% gefüllten Eimer und dem komlpett gefüllten Eimer beträgt 0,3 Liter. Bezogen auf den neuen Grundwert von 0,7 Liter müssten wir rechnen:
0,3 Liter / 0,7 Liter = 0,42 -> 42% oder direkt
1 Liter / 0,7 Liter = 1,42 -> 142%, also 42% mehr
Gleich noch mal die Gegenrechnung zur Probe:
0,7 Liter * 1,42 = 1 Liter
Nun klappt es. Wir haben wieder die gleiche Menge wie vorher. Diese Rechnung lässt sich eins zu eins an den Energiedichten von Ethanol und Benzin anwenden. Zum Beweis hier die Rechnung mit realistischen Werten. Wichtig bei dieser Rechnung ist, dass immer mit volumenbezogenen Werten gerechnet wird. Darauf komme ich später noch mal zurück. Die Volumenbezogenen Energiedichten sind:
Benzin: 32 MJ/l
E85: 22,7 MJ/l
Wir errechnen nun die Mehrmenge (volumenbezogen!), die bei E85 im Vergleich zu Benzin mehr eingespritzt werden muss:
(32 MJ/l - 22,7 MJ/l) / 22,7 MJ/l = 0,4096 -> 41 % oder
32 MJ/l / 22,7 MJ/l = 1,4096 -> 141%, oder 41% mehr
Das Ergebnis dieser Rechnung ist ganz einfach. Es werden ca. 41% mehr Ethanol bei der Verbrennung benötigt als mit Benzin. Diese Rechnung werde ich später noch mal genauer über das stöchiometrische Gemisch vorrechnen. Aber soviel vorweg: Es kommen auch 41% raus.
Wie kommt es dann, dass trotz der ganzen Rechnung immer wieder behauptet wird, dass der Verbrauch auf 100km nur um 30% steigt? Das ist eine andere Geschichte. Hier kommen mehrere Faktoren zusammen, die ich selber noch nicht alle verstehe. Hier ein paar mögliche Faktoren:
- Ethanol hat eine höhere Oktanzahl, kann also vom Motor effektiver genutzt werden
- Durch die geringe Mehrleistung, die durch Ethanol entsteht fährt man sparsamer
- Ethanol nimmt beim Verdampfen im Brennraum mehr Wärme auf – kühlt also den Brennraum. Das kommt wiederum der Verbrennung zu gute
Diese Faktoren führen im Endeffekt dazu, dass trotz den 41% die mehr eingespritzt werden am Ende nur 30% Mehrverbrauch pro km heraus kommen. Den 30% Mehrverbrauch kann ich übrigens auch bestätigen.